Wie der EHC Basel ins Oberhaus zurückkehren will (hockeyfans.ch 26.8.2002)

      Wie der EHC Basel ins Oberhaus zurückkehren will (hockeyfans.ch 26.8.2002)

      hockeyfans.ch
      Wie der EHC Basel ins Oberhaus zurückkehren will
      Von Martin Merk

      Damals in der NLA - davon können einige Fans von Clubs reden, die nicht mehr im Oberhaus dabei sind. In Basel sind dies aber wohl nur wenige, denn seit 40 Jahren spielten die Basler zwischen der Nationalliga B und der 2. Liga. Nun möchten sie mit Hilfe von "Hockey-Förderern" in den nächsten Jahren den Sprung in die NLA schaffen.

      Die alten NLA-Zeiten als Spitzenclub und Punktelieferant
      1932 als Rotweiss Basel gegründet, wurde der EHC Basel in der Nachkriegszeit zwei Mal Vizemeister und bildete mit Davos, Arosa und dem ZSC die Spitze des Schweizer Eishockeys. 1963 war die letzte Saison des EHC Basel. Nach Streitigkeiten innerhalb der Mannschaft und um den Star Emil Handschin kam es zu Austritten und zum Niedergang des einstigen Traditionsclub. Basel ging damals in die Geschichte der Nationalliga A ein: Nachdem man in der Saison zuvor nur durch die Aufstockung von 8 auf 10 Teams in der NLA bleiben durfte, belegte man auch 1963 den letzten Rang mit 0 Punkten und einem Torverhältnis von 32:149 aus 18 Spielen - damit war man die "schlechteste NLA-Mannschaft aller Zeiten" nach dem EHC St. Moritz 1954/55. Immerhin gab es in einem der beiden Auf-/Abstiegsspielen gegen die Grasshoppers ein Unentschieden. Vier Jahre später verschwand man gar zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die dritthöchste Spielklasse, gegen Ende der 70-er Jahre gar in die 2. Liga (!), der vierthöchsten Spielklasse, wo man auch während den 80-er- und 90-er-Jahren mehrmals spielen musste. Man war zeitweise sogar schlechter als das heutige Partnerteam Zunzgen/Sissach aus dem Baselbiet. Ein paar Saisons in der Nationalliga B mit einem Fast-Aufstieg in die NLA während den 80-er-Jahren endeten mit dem finanziellen Kollaps des Clubs, der durch die Fusion mit dem Quartierclub EHC Kleinhüningen gerettet wurde. 1993 schaffte der Fusionsclub nach vier Jahren den Aufstieg in die 1. Liga, 2000 nach mehreren Versuchen den Aufstieg in die Nationalliga B. Mit dem Resultat der 40 Jahren, in denen es meist nicht einmal für die NLB reichte, dürfen sich heute die Aufstiegs-Schmieder wie Verwaltungsrats-Präsident Michael Geiger und der neue Sportdirektor Paul-André Cadieux befassen, der nicht besonders erfreut ist, dass man in Basel im Sportbereich meist nur über den FC Basel redet und der "EHC" (oder auf neudeutsch die "Dragons") kaum ein Thema ist.

      Der Basler Publikumsliebling Emil Handschin und Goalie Urs-Dieter Jud gegen den Davoser Stu Robertson.

      Auf der altehrwürdigen Kunsteisbahn St. Margrethen, wo die Basler einst nicht selten vor 16 000 Zuschauern spielten, erinnerte in der Neuzeit kaum etwas an die alten Zeiten als Traditionsclub - ausser dass sich das Stadion bis auf die Überdachung des Spielfeldes und dem Überlassen der einen Stehplatz-Kurve an die Vegetation kaum verändert hat. Mit dem Verschwinden des EHC Basels in die tiefste Provinz verschwand allmählich auch das Eishockey als Stadtgespräch. In der vergangenen NLB-Saison besuchten nur etwas mehr als 1000 Zuschauer die Heimspiele des NLB-Neunten EHC Basel. Beim in Zukunft benachbarten Fussballclub waren es 27 000. Eine Zukunft unter diesen Umständen wäre wohl wieder in der 1. Liga gelegen, hätte sich in der drittgrössten Schweizer Stadt nicht endlich ein Hallenprojekt durchgesetzt, welches zusammen mit einer stärkeren Mannschaft Eishockey in Basel wieder zum Thema machen soll.

      Die Kunsteisbahn St.Margrethen mit 16 000 Zuschauern.

      Wie der EHC Basel nach oben gefördert wird
      Der EHC Basel hat nun in der NLB zwei Lehrjahre hinter sich und man merkte, dass man mit einer amateurhaften Organisation und gutem Zureden auch in der NLB nicht weit kommt. Die neue Eishalle, die St.Jakob-Arena mit einem Fassungsvermögen von 6500 Zuschauern - meist Sitzplätze - soll dem Club nun neue Dimensionen bescheren. Sie soll Sponsoren und Gönner genau so anlocken, wie Zuschauer und Hobby-Eisläufer und den Breitensport fördern, der in Basel so angeschlagen ist. Die Spuren von 40 Jahren im Niemandsland sind fatal: Weil ein starkes Fanionteam fehlte, gab es quantitativ wie auch qualitativ zu wenig Nachwuchsspieler und in der ganzen Region gibt es ausserhalb von Basel nur in drei Ortschaften (Laufen, Sissach und Rheinfelden) Eisfelder. Im Vergleich zu anderen Regionen also keine gute Voraussetzungen für Spitzen-Eishockey. Der EHC Basel hat in der höchsten Altersklasse die schlechtesten Junioren aller Nationalliga-Clubs und das NLB-Team kann nicht auf nachrückende Junioren zählen wie die meisten anderen Clubs. Die Junioren spielen in der dritthöchsten Spielklasse in den hinteren Regionen mit und in den Nachwuchsauswahlen findet man keine Basler Junioren. Eine Folge und Ausweis, dass das Eishockey in Basel über Jahrzehnte in die Unwichtigkeit versunkten ist. Und ein Bild, welches gemäss der heutigen Vereinsführung in einigen Jahren der Vergangenheit angehören soll. Das durch drei anonym bleibende, wohlhabende Personen aus der Region unter der Aktiengesellschaft "Hockey Förderer AG" mitfinanzierte, neue Team soll in seiner ersten Saison in der neuen Eishalle endlich in die oberen Tabellenregionen kommen und die Begeisterung für Eishockey nach Basel zurückbringen. Bis in drei Jahren möchte man in die NLA aufsteigen. Und mit einer Begeisterung - man spricht, ob passend oder nicht, gerne vom FC Basel und dessen neues Stadion als Beispiel - soll Eishockey in Basel einen grösseren Stellenwert erhalten, mehr Kinder als Junioren auf Puckjagd gehen und in der Nachwuchsabteilung etwa drei vollamtliche Trainer angestellt sein.

      Symbol für den Aufwärtstrend: Die neue St.Jakob-Arena

      Verwaltungsratspräsident Michael Geiger

      Vorerst spucken die "Dragons" - so der Beiname des Basler Clubs - noch nicht so gewaltig Feuer. Mit der neuen Mannschaft möchte man sich in Richtung Spitze herantasten und vor allem die Basler wieder an Eishockey-Spiele locken. Gelingt dies nicht, so verschwinden die Vorhaben wohl schneller als sie gekommen sind. Auch wenn der Sportdirektor Paul-André Cadieux die Mannschaft nicht unter Druck setzen will und sich vorsichtig mit den Zielen äussert, so wurde von der Chefetage längst die "Top 4" als Saisonziel erklärt - entweder in der Qualifikation oder in den Playoffs. Damit würde man die "Hockey-Förderer" überzeugen, weiter in die Mannschaft zu investieren und auch weitere Sponsoren anlocken. Die Hockey-Förderer sorgten vorerst dafür, dass man das Budget von 1,8 Millionen auf 3,12 Millionen Franken erhöhen konnte und damit das reichste NLB-Team ist - wenn auch weit entfernt von Servette im letzten Jahr (5,2 Millionen). Die anonym bleibenden Geldgeber werden ab der Generalversammlung durch deren Juristen Christian Oetiker auch im Verwaltungsrat der Basler vertreten sein, wie auch die St.Jakob-Arena durch deren Präsidenten Stefan Musfeld. Die anderen Verwaltungsräte sind Michael Geiger (Präsident) und Urs P. Musfeld (Vizepräsident). Und während Paul-André Cadieux im sportlichen Bereich für Ordnung sorgen soll, wurde dafür im administrativen Bereich Jürg Gohl eingestellt, der bisher als Journalist bei der "Basler Zeitung" tätig war. Sie alle arbeiten an der "Vision 2007", die Region Basel im Spitzen- und Breitensport zu einer bedeutenden Eishockey-Region zu machen. Die erste Mannschaft soll dereinst wieder in der Nationalliga A spielen und die Vereine in der Region eng zusammenarbeiten und starke Nachwuchsmannschaften ergeben. Damit wollen die Basler auch dem Trend nachgehen, dass das Eishockey von den Bergen in die städtischen Gebiete verlagert wird und dem letztjährigen Aufsteiger Servette nacheifern. Servette hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und gehört ebenfalls zu den grössten Städten der Schweiz. Zuschauermässig konnte man bisher immerhin 572 Saisonkarten verkaufen, dies sind doppelt so viele wie in der vergangenen Saison, obwohl man noch einen Anstieg der Bestellungen vor Saisonbeginn erwartet.

      Trainer Beat Lautenschlager sollte diese Saison mehr Grund zur Freude haben

      Basel zu den Favoriten in der NLB
      Auch wenn man sich in Basel in dieser Saison mit dem vierten Platz zufrieden geben würde und den Aufstieg erst für die nächste oder übernächste Saison plant, darf man Basel in der NLB zu den Favoriten zählen. Die Basler sind derzeit der einzige Club, der längerfristig die NLA im Hinterkopf hat. Mit Servette ist der Liga-Krösus aus der NLB weg, ohne das man einen Absteiger aus der NLA erhielt, La Chaux-de-Fonds hat massiv abgerüstet und Biel ist auf dem Blatt auch nicht besser als in der letzten Saison. So darf man wohl Basel mit Biel und den GCK Lions zum Favoritenkreis zählen. Doch wer ist dieses Team EHC Basel? Trotz den zwei Jahren NLB-Zugehörigkeit war es eine Art Phantom-Team. Man kannte es nicht richtig, schätzte es nicht stark ein und spielte trotzdem nicht gern gegen diese hart aufspielende Mannschaft, welche nun noch fünf Spieler aus der Region dabei hat. Vor zwei Jahren noch in der 1. Liga, verfügt das Team mittlerweile auch schon über NLA-erfahrene Spieler wie Marco Knecht, Roland Käser, Alexis Vacheron, Andreas Zehnder, Rolf Badertscher, Cornel Prinz, Marcel Sommer, René Stüssi und Samuel Villiger. Das Ausländerduo bilden der bisherige Verteidiger Stéphane Julien, welcher mit dem Team Canada gegen die Schweiz spielen und am Spengler-Cup teilnehmen durfte, sowie sein von Ajoie gekommene Landsmann Martin Bergeron, welcher zuletzt der zweitbeste Scorer der Nationalliga B war und beim EHC Basel für Tore sorgen soll. In der Vorbereitung konnte er seine Gefährlichkeit vor dem gegnerischen Tor jedoch nur ansatzweise zeigen.

      Der von Ajoie gekommene Martin Bergeron: Von ihm erwartet man viele, viele Tore

      Die Basler können allerdings drei für NLB-Verhältnisse starke Blöcke aufstellen und somit ohne weiteres zum Favoritenkreis gezählt werden. Auf den Trainer Beat Lautenschlager, der auch wegen seinem weiterlaufenden Vertrag überhaupt in Basel bleiben durfte, lastet nun ein grosser Druck. Denn als man bei Genf-Servette die Ziele nicht erreicht wurden, sprang Sportdirektor Paul-André Cadieux als Trainer ein. Ein Szenario, das in Basel auch nicht unvorstellbar wäre, sollte das Basler Team die Zielsetzungen erneut verfehlen. Sollten die Basler am Saisonende an erster Stelle stehen, wäre dies aber auch keine grosse Überraschung und man würde auch zur Teilnahme an die Aufstiegsspiele ja sagen. Vom NLA-Niveau sind die Basler aber trotzdem noch weit entfernt. Ein Aufsteiger aus der NLB ist diese Saison nicht zu erwarten, sofern es in der NLA nicht zu Vorfällen wie beim EHC Chur kommen sollte.

      Der neue Goalie Flavio Streit: Zuletzt stieg er mit Lausanne und Servette zwei Mal in Serie in die NLA auf

      Eine andere, wichtige Frage ist, wie die Bevölkerung und Wirtschaft in Basel auf die neue sportliche Situation und die neue Eishalle reagieren. Die Halle wird das "Sportquartier" St.Jakob, die grösste Sportstätte der Schweiz, um eine weitere Attraktion erweitern und kaum gewöhnungsbedürftig sein. Als Zuschauerschnitt plant man mit etwa 2500 Zuschauern. Auch Aktionen und Kombi-Tickets mit dem FC Basel könnten da mithelfen, beide Clubs sind sich über eine Kooperation auch grundsätzlich einig, ausgearbeitet ist aber noch lange nichts. Dass die Eishalle nicht nur für den Eissport da ist, wird der Integration ebenfalls förderlich sein: Die Universität Basel wird nach dem EHC Basel der grösste Mieter sein, dazu kommt ein Restaurant bei der Heimkurve und eine 900 m2 grosse Discothek mit zwei Floors. Nicht zuletzt finden noch acht Länderspiele in der Basler St.Jakob-Arena statt: Der Swiss Post Cup mit der Schweiz, dem Weltmeister Slowakei, Kanada und dem Nachbar Deutschland sowie zwei weitere Testspiele gegen Deutschland. Für die WM-Kandidatur der Schweiz ist Basel auch wieder ein Thema, dann würde die neue Eishalle von ihrer Grösse her allerdings nur Trainingshalle sein und die Spiele wie 1998 in der St.Jakobshalle mit 7500 Sitzplätzen stattfinden. Am 27. September findet schon einmal ein Event für die Bevölkerung statt: Die Hallenbetreiber laden zum "Ynestuehlete" ein, bevor der 25 Millionen Franken teure Bau am 12. Oktober mit dem Meisterschaftsspiel gegen Olten eingeweiht wird.

      Der prominenteste Zuzug: Andreas "Zesi" Zehnder

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      Interview mit Paul-André Cadieux (EHC Basel)
      von Martin Merk
      Basel, den 26.08.2002

      Im Zuge der Professionalisierung hat der EHC Basel im Februar 2002 Paul-André Cadieux als Sportdirektor verpflichtet. hockeyfans.ch hat sich mit ihm über die nähere sportliche Zukunft unterhalten.

      Cadieux vor der St.Jakob-Arena

      Hockeyfans: Herr Cadieux, sie haben in Genf den Aufstieg in die NLA eingeleitet. Wieso verliessen sie den Club?

      Cadieux: In Genf hatte ich eine zu grosse Auslastung. Ich war Manager und Trainer, es brauchte zu viel Energie, weshalb ich eine Pause wollte.

      Hockeyfans: Basel soll in dieser Saison vom Tabellenende an die Tabellenspitze. Was sind genau ihre sportlichen Zielsetzungen für diese Saison? Ab wann plant man den Aufstieg in die NLA?

      Unser Ziel ist, die Playoffs zu erreichen und in der oberen Tabellenhälfte zu sein. Es soll kein unnötiger Druck auf die Mannschaft lasten. Vorläufig haben wir keine höhere Ziele, wir schauen erst einmal, wie sich alles entwickelt.

      Hockeyfans: Würden sie - wie bei Servette - auch auf der Trainerbank Platz nehmen, falls es sportlich nicht wie geplant laufen sollte?

      Cadieux: Meine Arbeit sind die Aufgaben als Sportdirektor. Wenn ich meinen Job gut mache, sollte dieser Fall gar nicht eintreten.

      Hockeyfans: Dieses Team steckt nun Mitten in der Vorbereitung. Sind sie bisher mit den Leistungen zufrieden? Oder gibt es Sachen, die noch dringend verbessert werden müssten?

      Cadieux: Sie haben es selbst gesagt, die Mannschaft ist noch in der Vorbereitung. Es kamen immerhin acht neue Spieler dazu, man muss sich zuerst kennenlernen. Es passt noch nicht ganz alles zusammen.
      Das Team arbeitet hart und wir sind zufrieden. Wir hatten ein sehr gutes erstes Spiel gegen Zug und starke Drittel gegen Augsburg und Freiburg.


      Cadieux als Fribourg-Trainer

      Hockeyfans: Herr Cadieux, sie sind nun seit über 30 Jahren im Schweizer Eishockey tätig und haben viel miterlebt. Wie kamen sie eigentlich zur Schweiz, was halten sie vom Schweizer Eishockey und würden sie sich als Eishockey-Fanatiker bezeichnen?

      Cadieux: Ursprünglich kam ich als Experiment in der Schweiz für ein Jahr nach Bern. Ich studierte damals Sportwissenschaften in Ottawa. Ich hatte damals nie gedacht, so lange zu bleiben, sondern hatte die Rückkehr zur Universität geplant.
      Am Anfang war ich völlig überrascht und auch enttäuscht. Man spielte nicht in Hallen! Mein erstes Spiel fand bei Regen statt auf mehreren Centimeter Wasser. Ich fragte mich schon, was ich hier überhaupt mache. Aber ich gewöhnte mich an die Schweiz und die Bereitschaft und der Willen der Leute war sehr gross, weshalb es zu Erfolgen kam.
      Die Schweiz hat viele grosse Fortschritte gemacht. Man geht den richtigen Weg und es wird viel Zeit in die Ausbildung investiert. Das grösste Problem, wieso es international nicht so läuft, ist jedoch die Einstellung der Spieler und auch der hohe Lebensstandard in der Schweiz.
      Ich würde mich sicher als Eishockey-Fanatiker bezeichnen. Ein Leben ohne Eishockey könnte ich mir kaum vorstellen, das habe ich bei meiner Pause gesehen.

      Hockeyfans: Herr Cadieux, besten Dank für dieses Interview!

      Steckbrief
      Vorname: Paul-André
      Name: Cadieux
      Aufgabe: Sportdirektor
      Geburtstag: 25.06.1947 in Ottawa (CAN)
      Nationalität: Schweiz, Kanada
      Zivilstand: verheiratet
      Kinder:Jan (Stürmer HC Lugano), France
      Erlernter Beruf: Sportwissenschaften-Student
      Beim EHC Basel seit: Februar 2002
      Vertrag bis: 2002/03
      Clubs als Spieler (* als Spielertrainer): Universität von Ottawa, Bern *, Davos *, Chur *, Fribourg *, Bern, Langnau, Servette *, Fribourg * (bis 1989)
      Clubs als vollamtlicher Trainer danach: Fribourg, Langnau, Biel, Servette (auch Manager), Octodure Martigny
      Grösste Erfolge:3 mal Schweizer Meister mit Bern, 3 mal Aufstieg in die NLA (Bern, Davos, Langnau)
      Hobbies: Sport allgemein
      Club: EHC Basel (NLB)

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      Saison-Vorschau 2002/03
      5. September 2002
      Von Martin Merk


      Auch in der Nationalliga B geht es los und zwar gleich mit den beiden Zusatz-Derbyrunden. Von der Liga her die einzige Änderung, nachdem Chur keine Spielberechtigung erhielt und der italienische Verband Milano nicht in die NLB ziehen liess: Statt nur 36 Spielrunden kommen noch die beiden Derby-Runden dazu.
      Innerhalb der Liga hat sich das Gefüge aber gewaltig verändert. Mit Genf-Servette ist der Liga-Dominator dorthin verschwunden, wo man ihn erwartet hat: In die NLA. Und dadurch erhält man an der Spitze eine völlig andere, viel spannendere Konstellation. Man hat mehrere Teams, die für den NLB-Meistertitel, weniger aber für den Aufstieg in Frage kommen. Etwa Biel, das jahrelang ein Spitzenclub sein will, dabei aber nicht immer den gewünschten Erfolg hat. Da wären Basel und Sierre, die beiden schwächsten Teams der vergangenen Saison, die sich aber deutlich verstärkten. Und da wären auch die GCK Lions mit dem prominentesten Sturm-Duo Richard/Varis und einem grossen Reservoir an Talenten.
      Auf der anderen Seite hat man Clubs, die finanziell Mühe haben, um oben mitzureden und eher hinten zu erwarten sind. Etwa La Chaux-de-Fonds und Olten, die ihre Lohnsummen stark reduzierten. Oder Thurgau, das sich weiter auf Sparkurs befindet. Und der Aufsteiger Langenthal, von dem eigentlich kaum jemand ernsthaft die Playoff-Qualifikation erwartet und mit einem leicht verstärkten Erstliga-Team antreten wird.
      Paradoxerweise hat die Liga aber durch den Aufstieg von Servette etwas an Attraktivität gewonnen: Man wird einen spannenden Spitzenkampf erleben und auch der Kampf um die letzten Playoff-Plätze wird für Spannung sorgen. Für den Aufstieg ist aber eigentlich kein Team reif, ausser wenn in der NLA ein Team derart in eine Krise kommen würde wie Chur.

      EHC Basel - Mit Spitzenspielern für das Eishockey werben
      Dank der neuen Eishalle St.Jakob-Arena, die am 12. Oktober gegen den Nachbar Olten eröffnet wird, beginnt in Basel eine neue Ära. Nach rund 15 Jahren möchte man einen etablierten Platz in der NLB erreichen. Dies ist in den beiden vergangenen Saisons nach dem Wiederaufstieg nicht gelungen. Man war in den meisten Belangen knapp ungenügend. Und auf die schwache Offensiv-Abteilung reagierte man erst spät mit den Verpflichtungen von Marco Seeholzer und René Stüssi, der sich in der Vorbereitung in Top-Form wie zu seiner Blütezeit zeigte. Ein anderes Problem waren die Ausländer. Während der Spengler-Cup-Teilnehmer Stéphane Julien in der Abwehr genügte, war Steve Potvin eine Fehlbesetzung. Ein Spieler, der mehr Teamplayer als Leaderfigur und Torschütze ist, ist in der NLB nicht unbedingt das, was man von einer ausländischen Verstärkung erwartet.
      Nun ist in Basel vieles anders. Man hat mit knapp 3,3 Millionen Franken das höchste Budget der Liga, darin sind rund 500 000 Franken an Kosten von Spielerübernahmen enthalten. Hinter der neuen Situation stecken einheimische Gönner, die dank der tauglichen Eishalle das Basler Eishockey fördern möchten, jedoch ihr Engagement auch von sportlichen Resultaten abhängig machen. So ist entweder in der Qualifikation oder in den Playoffs die "Top 4" zu erreichen - ein machbares Ziel mit diesem Team. Doch die Basler kämpfen um viel mehr als um Punkte: Sie kämpfen vor allem um die Gunst der Zuschauer und den Ruf des Eishockeys in der zweitgrössten Stadt der Deutschschweiz. Nach Jahrzehnten, die man meist im Amateurbereich verbrachte, ist das Eishockey in Basel längst nicht mehr verankert und talentierte Nachwuchsspieler rar. Ein zweites wichtiges Ziel ist somit, mit guten sportlichen Leistungen und der ersten Eishalle Basels die Bevölkerung für Eishockey zu begeistern.
      In der Favoritenrolle sieht man sich trotz dem hohen Budget nicht gerne und gibt diese lieber anderen ab. Aber die Basler haben durchaus ein interessantes Team zusammengekauft. Die Torflaute der letzten Saisons soll Martin Bergeron, zuletzt zweitbester Scorer der NLB bei Ajoie, beenden, wobei er in der Vorbereitung noch mit seinen Auftritten geizte. Die Abwehr verfügt mit den Zuzügen Knecht, Käser, Vacheron und Zehnder mit NLA-erfahrenen Spielern und ist auf dem Papier für NLB-Verhältnisse sehr stark. Im Sturm wurden mit Badertscher, Marco Fischer, Cornel Prinz und Samuel Villiger ebenfalls für NLB-Verhältnisse starke Spieler verpflichtet. Als Stammtorhüter ist Flavio Streit geplant, der in den beiden vergangenen Saisons mit Lausanne und Servette den Aufstieg schaffte.
      Noch ist es eine Zusammensetzung von ein paar bisherigen Spielern und neuen, starken Zuzügen. Schafft es Headcoach Beat Lautenschlager daraus eine Einheit zu formen, dann kann dieses Team in der NLB viel erreichen und mehr von sich reden machen als auch schon.

      Vorbereitung:
      Siege: Langenthal 5:0, Biel 6:2
      Remis:
      Niederlagen: Zug 1:2, Augsburg (D) 4:5 n.P., Freiburg (D2) 2:3, GCK Lions 3:5, Visp 2:4

      Transfers

      Zuzüge Martin Bergeron (Ajoie, 2003/04) Flavio Streit (Servette, 2002/03) Rolf Badertscher (Langnau, 2002/03) Andreas Zehnder (Chur, 2003/04) Marco Kindler (Langnau Junioren, 2002/03) Cornel Prinz (GCK Lions) Roland Käser (Ambri) Alexis Vacheron (La Chaux-de-Fonds, 2002/03) Oliver Wissmann (Bülach, 2002/03) Marco Fischer (Servette)
      Samuel Villiger (Lausanne)

      Abgänge: Steve Potvin (Björklöven/SWE2) Lovis Schönenberger (Zug) Davide Gislimberti (Lugano) Peter Mettler (Zug) Michael Murer (Aarau) Marcel Schmid (Aarau) Patrick Girod (Zuchwil-Regio) Zbynek Hybler (Weinfelden) Robert Othmann (Olten) Kim Scheidegger (Visp) Marc Gautschi (Hermes Kokkola/FIN2 ?)
      Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers (Gustav Mahler 1860-1911)