Letztes Spiel auf der Kunsteisbahn Margarethen (Archiv BaZ 27.9.2002)

      Letztes Spiel auf der Kunsteisbahn Margarethen (Archiv BaZ 27.9.2002)

      BaZ vom 27.9.2002
      Urs Dieter Jud

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      Basel. Mit der Meisterschaftspartie gegen den HC Thurgau verabschiedet sich der EHC Basel heute (20.00 Uhr) von seiner langjährigen Spielstätte, der vor 68 Jahren erbauten Kunsteisbahn Margarethen (vgl. Beilage). Deshalb erhalten Personen mit Jahrgang 1934 und älter freien Eintritt auf die Tribüne. Zudem werden vor der Partie verschiedene Spieler geehrt, die einst beim EHC gespielt haben. Urs Dieter Jud (66) ist einer von ihnen; er hütete 16 Jahre lang das Tor der ersten Mannschaft.

      BaZ: Urs Dieter Jud, was überwiegt bei Ihnen, die Wehmut, dass nie mehr Spitzeneishockey auf der «Kunschti» gespielt werden wird, oder die Freude über die neue Eishalle?
      Urs Dieter Jud: Natürlich kommt ein wenig Wehmut auf, weil ich auf der «Kunschti» manch eindrückliches Erlebnis hatte. Doch in erster Linie ist es ein schöner Moment, weil der EHC Basel endlich zu jener Eishalle kommt, die er schon vor dreissig Jahren benötigt hätte. Ich habe mir die neue St.-Jakob- Arena bereits angesehen und sie gefällt mir hervorragend. Ich befürchte nur, dass sie ein wenig zu klein geraten ist.
      Was war Ihr schönstes Erlebnis im Margarethenpark?
      Am liebsten erinnere ich mich an zwei Spiele in der Saison 1958/59. An einem Freitag spielten wir, damals in der Nationalliga A, zuhause gegen den SC Bern vor vollem Haus 5:5, und zwei Tage später empfingen wir den HC Davos, wobei erneut 14 000 Zuschauer kamen. Die Atmosphäre war hervorragend, weil die Leute damals ja ganz nahe am Spielfeldrand standen.
      In der langen Zeit, die Sie mit dem EHC verbracht haben, ist Ihnen bestimmt auch Seltsames widerfahren.
      Als wir einmal gegen den EHC Arosa antraten, erhielt ich einen Puck des berühmten Martin Trepp an den Kopf, der damals noch nicht von einem Helm geschützt wurde. Die Scheibe flog über die Zuschauerrampen hinweg auf den Parkplatz und fiel auf ein dort parkiertes Auto. Wenig später trat doch tatsächlich der Besitzer des Fahrzeugs an den Verein heran und wollte eine Entschädigung für den entstandenen Schaden.

      (Foto nicht aufbewahrt, bitte melden wenn jemand diese Fotos noch hat)
      Urs Dieter Jud. «Die Atmosphäre war hervorragend, weil die Leute damals ja ganz nahe am Spielfeldrand standen.» Foto Kurt Baumli


      Ein Abschied ohne sentimentale Momente

      Patrick Künzle
      Der EHC Basel tritt heute zum letzten Mal auf der Kunsteisbahn Margarethen zu einem Meisterschaftsspiel an, Gegner ist der HC Thurgau (20.00 Uhr). EHC-Captain Stéphane Julien fordert von sich und seinen Teamkollegen einen Sieg zum Abschied von der alten Spielstätte.

      Basel. Die Sirene wird keine sentimentalen Gefühle in Stéphane Julien auslösen, wenn sie heute Abend um etwa 22.00 Uhr vom Ende der Partie zwischen dem EHC Basel und dem HC Thurgau künden und damit den Schlussstrich unter ein Stück Basler Sportgeschichte setzen wird. 1934 hat der EHC erstmals auf der Kunsteisbahn Margarethen ein Meisterschaftsspiel ausgetragen, heute findet die Dernière statt. «Um ehrlich zu sein: Der Abschied von hier fällt mir nicht schwer», sagt Julien. Die altehrwürdige «Kunschti» erfüllt längst nicht mehr die Anforderungen, die ein professioneller Verein an seine Infrastruktur stellt.

      Ein Ort der Niederlagen
      Der Captain des EHC Basel erzählt von den schwierigen Trainingsbedingungen, vom Nebel auf dem Eisfeld, der hohen Luftfeuchtigkeit, die das Training zur schweisstreibenden Angelegenheit machte und vom Wind, dem man auf der Spielerbank ausgesetzt war. «Sicher haben die Leute, welche die grossen Zeiten der Kunsteisbahn miterlebt haben, ein tieferes Verhältnis zu diesem Ort als die Spieler des heutigen Kaders.» Die letzten Jahre hätten einfach nicht den Stoff geboten, um ein intimes Verhältnis zum Arbeitsort aufbauen zu können. «Wir haben hier nicht gerade häufig gewonnen, es kamen kaum Fans zu den Spielen.»
      Umso mehr freut sich der Franko-Kanadier auf die neue St.-Jakob- Arena, die am 12. Oktober eingeweiht wird. Er hat die Baustelle schon sechsmal besucht. «Vor einem Jahr habe ich dort ein Foto gemacht, da war noch nichts zu sehen, und nun dauerts nur noch zwei Wochen, bis wir dort spielen können?» Das sei kaum zu glauben, sagt der 28-Jährige.
      Als er vor einem Jahr zum EHC Basel stiess, war Julien eine Art Vorbote der Professionalisierung im Verein. Aufgrund seiner Leistungen in der Vorsaison beim HC Sierre galt er als der beste Verteidiger der Liga. Ein Ruf, der nicht einmal durch die Tatsache, dass der EHC eine enttäuschende Spielzeit zeigte, gross beschädigt wurde. Auch wenn im Misserfolg oftmals die Schuld bei den ausländischen Spielern gesucht wird, an Juliens Fähigkeiten wurde nie gezweifelt. «Als Verteidiger habe ich es einfacher als ein Stürmer, da ich nicht an den erzielten Toren gemessen werde.» Doch seine Leistungen müssen die Clubverantwortlichen schon beeindruckt haben, dass sie sich frühzeitig um eine Vertragsverlängerung bemühten. Julien selber gab sein Einverständnis zu einem zwei Jahre dauernden Kontrakt unter der Bedingung, dass der Verein sportliche Fortschritte anstrebt.

      An Erfahrung hinzugewonnen
      Diese Vorgabe sei erfüllt worden, ist Julien überzeugt. Ihm gefällt vorab, dass einige erfahrene Spieler verpflichtet wurden. «Das spürt man nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch in der Kabine.» Es befänden sich mehr Spieler im Kader, die den Mut hätten, im Kreis der Mannschaft aufzustehen und ihre Meinung kundzutun. «Das können eben nur ältere Spieler, die sich sicher sind, dass ihre Leistung auf dem Eis stimmt.» In der vergangenen Saison sei das Team zu jung gewesen, die Verantwortung auf zu wenige Leistungsträger verteilt gewesen.
      Weil dies heute anders ist, weil die Linien ausgeglichener besetzt sind, glaubt Julien auch, dass schwächere Leistungen wie am Dienstag gegen La Chaux-de-Fonds nicht zur Regel werden. Innerhalb der Mannschaft würden die Spiele vor dem Bezug der neuen Halle als «Promotion-Tour» bezeichnet. Eine bessere Plattform als den heutigen Abend gibt es bestimmt nicht, um Werbung für das Produkt EHC Basel zu betreiben. Das weiss auch Julien. «Wenn wir verlieren, ist das eine Katastrophe», sagt er. Verabschieden sich die Basler mit einer grossen Leistung von der «Kunschti», erlebt vielleicht sogar Stéphane Julien einige sentimentale Momente. Patrick Künzle

      (Foto nicht aufbewahrt, bitte melden wenn jemand diese Fotos noch hat)
      Dernière. Stéphane Julien verabschiedet sich mit dem EHC Basel heute Abend von der Kunsteisbahn Margarethen. Foto Erwin Zbinden
      Tradition ist nicht die Anbetung von Asche, sondern das Weiterreichen von Feuer

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