Eröffnung der St.-Jakob-Arena (Sonderbeilage BaZ 27.9.2002: )

      Eröffnung der St.-Jakob-Arena (Sonderbeilage BaZ 27.9.2002: )

      BaZ vom 27.9.2002


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      BaZ vom 27.9.2002
      Wie die alte Kunschti zu einem Dach kam
      Mit der St.-Jakob-Arena bekommt Basel nach der Kunschti im St.-Margrethen-Park und der Eglisee-Eisbahn seine dritte Sportanlage, in der Kunsteis die entscheidende Rolle spielt. Wichtig ist aber nicht nur das Eis, sondern auch das Dach darüber.

      Von Urs Hobi
      In den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts herrschte in Basel hinsichtlich der Errichtung von Sportanlagen eine veritable Aufbruchstimmung, die der städtischen Bevölkerung das Gartenbad Eglisee (1931), das Hallenschwimmbad Rialto (1934) und schliesslich die Kunsteisbahn St. Margarethen brachte, die ebenfalls 1934 eröffnet wurde. Im Gegensatz zu den beiden «staatlichen» Schwimmanlagen entstand die Kunschti wie jetzt die neue Eissporthalle aufgrund privater Initiative. Dabei spielte die Konkurrenzsituation zwischen Basel und Zürich eine wichtige Rolle, war die Eisbahn auf dem Dolder doch die erste derartige Sportstätte der Schweiz.
      Nachdem eine Gruppe im Umfeld des Advokaten Carl Frey zuerst beim Birskopf in der Breite eine kombinierte Anlage mit Strandbad und Eisbahn geplant hatte, wurde später die Lösung auf dem Bruderholzhügel, im St.-Margareten-Park, gefunden. Wie bei anderen wichtigen Basler Sportstätten musste man auf ein Terrain zurückgreifen, das auf Baselbieter Kantonsgebiet (Gemeinde Binningen) lag. Als Architekt zeichnete Richard Calini verantwortlich, ein ehemaliger Regierungsrat, der unter dubiosen Bedingungen aus der Exekutive ausgeschieden war und dem nach Vorliegen der Entwürfe «Ideenklau» bei einem anderen Architekten vorgeworfen wurde.

      Grösste Eisbahn der Schweiz
      1934 konnte die mit 6000 Quadratmetern grösste Eisfläche der Schweiz dem Betrieb übergeben werden. Nebst den individuell tätigen Schlittschuhläuferinnen und -läufern nahmen auch verschiedene Eissportvereine der Sparten Schnellauf, Kunstlauf und Curling die Kunschti in Beschlag; und natürlich wurde auch Eishockey gespielt. Der «Eishockey-Club Basel-Rotweiss» begann praktisch mit der Eröffnung der Kunschti seine Aktivitäten und wurde im Laufe der Jahre zu einer der mitprägenden Mannschaften der schweizerischen Hockey-Szene. Seine Höhenflüge und Taucher werden im unten stehenden Beitrag geschildert. Seit 1963 war der EHC nie mehr in der Nationalliga A und tauchte zwischenzeitlich bis in die 2. Liga. Ende der siebziger Jahre war wieder einmal ein Aufschwung fällig, zu einem Zeitpunkt, wo die offene Eisbahn als Wettkampfstätte völlig veraltet war. Der Ruf nach einer Eishalle war unüberhörbar, und die Behörden evaluierten verschiedene Möglichkeiten. Im Vordergrund stand die Gesamtsanierung der alten Kunschti, indessen gab es auch andere mögliche Standorte für einen Hallenbau. Es war von Arealen die Rede, die in der städtischen Planung bis auf den heutigen Tag in vielfältigen Zusammenhängen immer wieder genannt worden sind, etwa den IWB-Geländen bei der Heuwaage und an der Voltastrasse, den Hallen 6 und 7 der Mustermesse, dem Tramdepot am Walkeweg, dem alten Brückenkopf der abgebrochenen St.-Alban-Brücke in der Breite, dem Kasernenareal, dem frei stehenden Teil des Gartenbads Eglisee, wo 1969 eine zweite Basler Kunsteisbahn installiert wurde. Auch Sportanlagen an der Grenzacherstrasse wurden in die Planung einbezogen.

      Warum nicht in Brüglingen?
      Interessanterweise kam in jener Periode ein Standort im Bereich der Brüglinger Ebene nicht in Frage, obschon die Maximalvariante für die Ausgestaltung der dortigen Sportstätten nach der Gartenbau-Ausstellung «Grün 80» sogar die Errichtung einer 400-Meter-Rundbahn für die Eisschnelläufer vorsah. Als Grund wurde in erster Linie die Billettsteuer der Gemeinde Münchenstein angegeben, welche bereits die Veranstaltungskosten der 1975 erstellten St.Jakobshalle belasteten. 1979 stand amtsintern fest, dass eine Gesamtsanierung der Kunsteisbahn im St.-Margarethen-Park (mit Überdeckung eines Teils der Eisfläche sowie der Erstellung unterirdischer Parkplätze und Zivilschutzanlagen) anzustreben war.

      Plötzlich pressierte es
      Indes passierte gar nichts. Und als sich in der Saison 1983/84 abzuzeichnen begann, dass ein Wiederaufstieg des EHC Basel in die Nationalliga B im Bereich der Möglichkeiten lag, wurde die Angelegenheit plötzlich dringend, weil es dem Basler Verein nicht gestattet worden wäre, in der Nationalliga zu spielen. Für den «Befreiungsschlag» (der dem Eishockey entnommene Begriff ist hier durchaus zulässig) sorgte eine in aller Eile «organisierte» Volksinitiative, die die «unverzügliche Überdachung eines Drittels des Gesamtfelds der Kunsteisbahn im Margarethenpark» verlangte. Innert kürzester Zeit wurden 5600 Unterschriften gesammelt. Schon im März 1984 wurde das Geschäft vom Grossen Rat behandelt und an die Regierung überwiesen, die bereits zwei Monate später mit einem Ausgabenbericht aufwarten konnte. Die Überdachung liess sich mit einem Kredit von 950 000 Franken realisieren. Zur generellen Überraschung gewährte der Rat der Kunschti (bzw. der Kunsteisbahn Betriebs AG) aber nur die Hälfte der Summe, die andere Hälfte wurde durch eine Sammelaktion aufgebracht. Kurz nach Beginn der Saison 1984/85 hatte der EHC ein Dach über dem Kopf. Max Pusterla, einer der Erstunterzeichner der Initiative, spricht im Basler Stadtbuch des Jahres 2000 von einem helvetischen Kuriosum: Eishockeyspiele und Eislaufkonkurrenzen konnten nun auf einer überdachten Eisfläche stattfinden, «während das Publikum im Regen stand».
      Obschon die Sportstättenplanung des Kantons aus dem Jahr 1989 die Erstellung einer Eishockeyhalle vorsah und erneut Pläne einer Gesamtsanierung der alten Kunschti existierten (überdies solche eines Hallenbaus auf dem Bahnhofareal und einer kombinierten Anlage Kunsteisbahn/Hallenbad auf dem Landhof), blieb es über Jahre hinweg bei der «Notlösung» im St.-Margrethen-Park, die mittlerweile den Vorschriften des nationalen Eishockeyverbands nicht mehr genügte.
      Die 1998 gegründete «Genossenschaft Regionale Eissporthalle St.Jakob» brachte die jetzt realisierte Lösung auf dem Gelände der Brüglinger Sportanlagen ins Gespräch, die Basel eine Eishalle beschert, welche modernsten Ansprüchen genügt und als Meilenstein im schweizerischen Sportstättenbau gilt. Überhaupt ist das sportliche Gesamtangebot in St. Jakob an der Birs in diesem Land ein malig. Und wegen der Billettsteuern von Münchenstein muss man sich nicht mehr ärgern.

      Leistete treue Dienste und war Schauplatz für manches Highlight: Ob für Breiten- oder Spitzensport, die Kunsti wurde intensiv genutzt. Foto Flury


      FCB lockte 10 000 Zuschauer auf die Kunschti
      Mit dem Wechsel der EHC Basel AG in die neue Eishockeyhalle geht eine 68 Jahre dauernde episodenreiche Geschichte des Basler Eishockeys zu Ende. Ein kleiner, unvollständiger Rückblick auf alte Zeiten, grosse Ereignisse und das «verrückteste» aller Spiele.

      Willi Erzberger
      Im Februar 1939 wurden in Zürich und auf der Basler Kunsteisbahn die letzten Welt- und Europameisterschaften vor dem 2. Weltkrieg ausgetragen. Die legendär gewordenen Basler Sprechchöre, welche die in Sekundenschnelle gedichtete Schnitzelbankverse skandierten, waren im ganzen Gundeldingerquartier gut zu hören. Das akustische Wahrzeichen dieser Titelkämpfe war der erste prägende Eindruck, den der damalige Häfelischüler und jetzige Verfasser dieses Artikels, der wenige hundert Meter neben der «Kunsti, aufgewachsen ist, von einer Eishockeyveranstaltung auf Distanz mitbekam.
      Zuschauen durfte der Knirps noch nicht, dafür hing er dann dem Vater an den Lippen, als dieser von den Geschehnissen berichtete. Besonders vom Spiel um den Europameistertitel, das die Schweiz vor der Rekordkulisse von 16 000 Zuschauern 2:0 gegen die Tschechoslowakei gewann.
      Während des Krieges fieberte unsere Bubenbande den Spielen der einheimischen Mannschaft entgegen, die Rotweiss Basel und später EHC Basel hiess. Damals waren die seitlichen Spielfeldflächen mit nur knöchelhohen grünen Banden abgegrenzt. Das beeinflusste die Spieltaktik. Später wurden dann Plastikabschrankungen bis Hüfthöhe angebracht. Bei «normalen» Spielen reichte der vorhandene Zuschauerraum inklusive der seit langem nicht mehr bestehenden imposanten Südrampe. Je nach Wichtigkeit eines Spiels wurde auf der Gegenseite der Tribüne die kleine oder grosse Estrade auf Eis montiert. Wenn die Arena gefüllt war, brodelte es im Hexenkessel. Die bei den Zuhörern grosse Emotionen erzeugenden Radioreporter Henry Eggenberger (Beromünster), Maître Suès alias Squibbs (Sottens) und - unvergesslich - dreisprachig Vico Rigassi transferierten die Stimmung aus den Stadien ihren Hörern im ganzen Land.
      Der EHC war in den ersten Nachkriegsjahren eine grosse Nummer und die Eishockeybegeisterung der Basler entsprechend gross. Verrücktestes Ereignis und unvergessen für alle, die dabeiwaren: das Relegationsspiel gegen den SC Bern am 4.März 1956. Der EHC Basel als Meister der Nationalliga B, so lautete damals die Regel, hatte gegen den letztklassierten A-Club anzutreten. Ein Unentschieden reichte nicht für den Aufstieg. Die Basler führten im 2. Drittel 8:4. Innerhalb einer Minute verkürzten die Berner auf 8:7 und gingen dann im letzten Spielabschnitt sogar 9:8 in Führung. Der Basler Goalie Bürgin war mit den Nerven fix und fertig. Der EHC glich zwar wieder aus, aber das reichte nicht zum Aufstieg. Basels kanadischer Spielertrainer Ron Barr löste kurz vor Spielende mit einem Backhandschuss zum 10:9 die schier unerträgliche Spannung. Der EHC Basel gehörte wieder der obersten Liga an. Sieben Jahre später begann dann der unaufhaltsame Abstieg.
      In der Erinnerung bleiben viele markante Ereignisse haften, wie die internationalen Spiele am Stefanstag gegen den LTC Prag, die nach dem blutig unterdrückten Volksaufstand in der Tschechoslowakei nicht mehr durchgeführt werden konnten. Auch an den Turnieren um den Basler Cup mit den deutschen Dauergästen vom SC Riessersee wurde Basler Eishockeygeschichte geschrieben.
      Der FC Basel trat einmal im Jahr als Eishockeyteam gegen den EHC Basel an. Über 10 000 Zuschauer ergötzten sich 1952 an der ersten dieser Plauschbegegnungen vor allem an den ungewollten Pirouetten von Seppe Hügi. Tempi passati auch das. Eine beinahe sieben Dezennien dauernde wechselhafte Geschichte des Basler Eishockeys findet jetzt ihren Abschluss. Dieser ist für ältere Gundeldinger auch mit unzähligen wehmütigen Erinnerungen an ihre Jugend verbunden. Die Zeiten haben sich geändert, ebenfalls der Stellenwert des Sports, auch die Anforderungen an die Infrastrukturen. Für den EHC Basel, jetzt mit dem Zusatznamen Dragons, beginnt nun ein neuer Abschnitt in einer neuen Umgebung.

      Verrückte Zeiten. Sportlich erlebte die « Kunschti» St. Margarethen alle bisherigen Höhen und Tiefen des Eishockey. zVg


      Yynestuehlete
      4320 Stühle - Packen wirs an!

      Lukas Müller
      Auf der Tribüne der altehrwürdigen Kunschti Margarethen sass man bis anhin auf einfachen Holzbänken. Dies wird nun am neuen Ort in der Eishalle St. Jakob anders werden. Jeder Zuschauer, jede Zuschauerin wird über seinen respektive ihren eigenen Sitzplatz verfügen. Es handelt sich übrigens um exakt die gleichen Schalensitze, wie sie bereits im St.-Jakob-Park beim FCB mit Erfolg Verwendung finden.
      Für hervorragenden Sitzkomfort ist also im neuen EHC-Domizil gesorgt. Doch die betreffenden Untersätze sind heute noch lange nicht an dem Ort, an dem sie eigentlich sein sollten. Sie befinden sich derzeit in einem Lager und werden am frühen Morgen des Samstags, 28. September zur Eishalle St. Jakob transportiert.
      «Lastwagen mit grossen Anhängern werden diese Stühle ins Joggeli hinunterbringen», freut sich Organisationstalent und Ex-EHC-Stürmer Pio Parolini schon heute. «Wir hoffen nun, dass das am Eishockey interessierte Publikum an diesem Tag in Scharen zur Eishalle kommt und mithilft beim Stühle Buckeln.» 4320 - in Worten: viertausenddreihundertzwanzig Stühle sind es also, die da die Sitzplatz-Reihen im neuen «Basler Hockey-Hexenkessel» füllen sollen. 4320, das ist eine ganz beachtliche Menge. Doch bei 300 bis 400 Mitwirkenden (auch die EHC-Junioren packen mit an, die Red.) dürfte schon bald jeder Schalensitz am richtigen Ort sein. Wer mitmacht, muss wohlgemerkt über keine technischen Fähigkeiten verfügen, es geht einzig allein ums Tragen der Stühle. Auf den Betonstufen, wo die Stühle definitiv montiert werden, stehen Spezialisten bereit. Sie werden dann für die kompetente Endmontage besorgt sein. Mit modernen Pressluftschraubern.
      Man sieht, unser EHC Basel gibt sich volksnah - und diese « Yynestuehlete» dürfte denn auch zu einem regelrechten Spektakel avancieren. «Alle, die in irgendeiner Form mitgeholfen haben, dürfen sich am Schluss auf einem speziellen Plakat mit ihrer Unterschrift verewigen. Dieses Plakat wird dann an prominenter Stelle in der neuen Eishalle aufgehängt», berichtet Pio Parolini.
      Selbstverständlich ist bei diesem EHC-Fest auch an Speis und Trank gedacht. An speziellen Ständen kann man sich verpflegen. Los geht diese spannende Schalensitz-Montage-Aktion (schliesslich wird nicht alle Tage eine solche Arena eingeweiht!) am 28. September um 9 Uhr morgens - abgeschlossen sein soll das Ganze am späten Nachmittag, gegen 17 Uhr. Wenn wir Glück haben, schaut auch der eine oder andere EHC-Spieler vorbei.
      Eins ist klar: Am Tag der « Yynestuehlete» werden viele Eishockeyfachleute vor Ort sein - und man darf nach getaner Arbeit unter Gleichgesinnten eifrig über Powerplay, Boxplay, Bully, High Sticking, Roughing, Slashing, Overtime, Goldhelm und natürlich auch über den wieder erwachten «Fighting Spirit» des EHC Basel fachsimpeln.

      Herzog und De Meuron-Schalensitze wie im St. Jakob Park: 4320 werden «yynegstuehlt.» Foto Plüss

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      «Idealismus war eine Vorraussetzung für das Erschaffen der Eishalle ...»

      Andy Strässle
      Beim Eröffnungsspiel Mitte Oktober wird in der St.-Jakob-Arena noch nicht jede Schraube drin sein, erklärt Architekt Jan Krarup vom Architekturbüro Krarup Furrer, das zur Zwimpfer und Partner Gruppe an der Hardstrasse in Basel gehört. Das Büro mit 20 Mitarbeitern arbeitete für die neue Eishallezusammen mit Jürg Berrel, der neben Senior-Partner Hans Zwimpfer und Hansjörg Fuhr zu den eigentlichen Initianten einer neuen Arena fürs Eishockey gehörte. «Selbstverständlich haben wir auch den Standort St. Margarethen geprüft. Aber damals gehörte noch das Projekt einer Dreifach-Turnhalle dazu.»
      Im Zuge der turbulenten Geschichte der Eishalle änderte sich dieses Projekt jedoch wieder, und die Turnhallen wurden an der Gempenstrasse gebaut. Schliesslich wars

      «Dahinter stand der Gedanke eines Sportzentrums. Die sportliche Zentrumsfunktion wurde zu einem festen Teil des Projekts.» Jan Krarup

      aber Jürg Berrel, der den Standort auf dem St.-Jakob-Areal fand und erschloss. «Dahinter stand der Gedanke eines Sportzentrums», sagt Jan Krarup. «Die sportliche Zentrumsfunktion wurde zu einem festen Teil des Projekts.»
      Logistisch erwarten die beiden Architekten keine Probleme. Das sei eine reine Frage der Organisation. «Es können nicht drei Grossanlässe auf einmal durchgeführt werden.» Auch über den öffentlichen Verkehr müsse man sich Gedanken machen, aber mit dem Bahnanschluss des Fussballstadions St. Jakob-Park seien schon einmal gute Voraussetzungen gegeben, sagt Berrel. Jan Krarup empfindet die Synergien aber als die grössere Chance, gerät ins Schwärmen, wenn er vom neuen Restaurant in der St.-Jakob-Arena spricht oder aufs Thema der Nutzung durch den Unisport Basel kommt. «Das Restaurant ist für alle, die die Sportanlagen St. Jakob nutzen.» Es entstehe ein städteplanerisch wertvolles Naherholungsgebiet mit sportlichem Hintergrund.
      Jürg Berrel sagt: «Ein Architekt muss Idealismus haben. Wir wollten eine tolle Arena bauen und nicht irgendeine Eishalle.» Bei der Entstehung des Projekts haben Hans Zwimpfer und Jürg Berrel tatsächlich viel Idealismus gebraucht. Denn zu Anfang standen ungeeignete Standorte etwa am Wolfgottesacker zur Diskussion, bei den ersten Projekten war auch noch ein Parkhaus vorgesehen.
      Der Startschuss zur heutigen Eis-Arena fiel - laut Jürg Berrel - 1999, als Pio Parolini eben Hans Zwimpfer zur Projektgruppe brachte und der Grundstein zur heutigen Genossenschaft gelegt werden konnte. Schliesslich konnte dank dem Engagement von Stefan Musfeld, der die Finanzierung vorantrieb, das 24,5-Mio.-Franken-Projekt gestartet werden. Entstanden ist aus architektonischer Sicht eine «filigrane» Arena. Inspiriert wurde Architekt Jürg Berrel durch «das Innenleben eines Lautsprechers», die Arena erhielt nach intensiven Diskussionen in der Arbeitsgruppe eine «Membranenform», dies hat - sagt Jan Krarup - auch den Vorteil, dass eine ideale Akustik entstehe. «Wir wollten eine Form, die von Licht durchflutet ist und damit auch den Eishockeysport aufwertet. Schliesslich soll die neue Arena auch für Frauen attraktiv sein», sagt Krarup und meint, dass durch eine attraktive Umgebung, in denen es allen wohl sei, der Sport massgeblich aufgewertet werden soll.
      Zu den vielen stimmigen Details gehört ebenfalls die Dachkonstruktion: «Wir legten hohen Wert auf eine feine, filigrane Dachkonstruktion. Der Durchmesser der Säulen beträgt 30 Zentimeter», sagt Jan Krarup. Natürlich habe man dann auch bei den Lüftungselementen darauf geschaut, dass die Konstruktion nicht «schwer» wirke. Besonders an einer Eissporthalle ist das Eis. Der Baukommission stimmte dem etwas teureren Pilotprojekt unter der Leitung von Pius Frey zu, und so konnten die technischen Anforderungen und die Isolation optimal gestaltet werden. «Die ganze Thermodynamik ist in einer Eishallebesonders. «Die Arena wurde auf langfristige Sicht konzipiert, und wir haben grossen Wert darauf gelegt, dass die Qualität stimmt und im Nachhinein nicht Mängel auftreten», sagt Jan Krarup. Das Ganze ist am Ende eben eine Frage des Idealismus.


      Brüglinger Ebene: Auf dem Areal der Sportanlagen St. Jakob entwickelt sich mit der Arena das Sportzentrum weiter.


      Aufgestellter Spatenstich am neuen Standort. Nach zehnjähriger Leidenszeit und Ungewissheit fiel der ersehnte Startschuss für die Arena am Ende letzten Jahres. Foto Plüss




      Für die Eisfläche braucht es eine spezielle und vor allem glatte Betonplatte. Systematisch wird diese über einen längeren Zeitraum hinuntergekühlt, bis die hauchdünne Eisschicht darauf aufgebaut werden kann. Eine spezielle Rolle spielt dabei die Thermodynamik im Gebäude, was Energieverbrauch und Wärme auf den Rängen angeht. Foto Dominik Plüss


      Die Eishalleim Rohbau. Die Tribünenelemente stehen schon. Die Eishalle wurde praktisch in einer Rekordzeit gebaut. Foto Dominik Plüss

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      «Gibt Potenzial neben dem Fussball»
      Nach dem St.-Jakob-Park die St.-Jakob-Arena : Der Basler Bauunternehmer Stephan Musfeld zählt bei beiden Sportstätten zu jenen Figuren, die massgeblich zur Realisierung des Projekts beitrugen.

      Interview Oliver Gut
      Basel. Im Empfangsraum der Musfeld AG hängen Bilder der einstigen Baustelle St.-Jakob-Park - im Konferenzraum, in dem Stephan Musfeld über seine Ideen zu sprechen pflegt, hängt das neu gestaltete Plakat, das für die vor ihrer Vollendung stehende neue Eishalle St.-Jakob-Arena wirbt. Der 49-jährige Unternehmer war mit seiner Firma nicht nur an beiden Projekten beteiligt, sondern zählte auch stets zu jenen Personen, die mit ihrem Einsatz den Bau überhaupt erst ermöglicht haben. Musfeld bleibt weiterhin mit beiden Stadien verbunden: Im St.-Jakob-Park wirkt er als Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft sowie des Stadionbetreibers Basel United, in der St.-Jakob-Arena ist er Präsident der Eishallen-Genossenschaft und sitzt als solcher im Verwaltungsrat der EHC Basel AG, die mit ihrer Eishockey-Mannschaft wichtigster Nutzer des neuen Baus sein wird.

      BaZ: Stephan Musfeld, was hat Sie dazu bewogen, nach dem Fussball-Stadion auch beim Bau der neuen Eishalle in verantwortungsvoller Position mitzuwirken?
      Stephan Musfeld: Es hat sich vor knapp zwei Jahren gezeigt, dass der Bau der Eishalle nicht so recht vorankam, weil die letzten Mittel fehlten. Also dachte ich mir, dass ich mit meinen Erfahrungen, die ich auf der anderen Seite der Tramgeleise gesammelt habe, den nötigen letzten Druck würde beisteuern können, damit das Projekt realisiert wird.
      Also sind Sie aus freien Stücken an die damals Verantwortlichen herangetreten und haben Ihre Hilfe angeboten?
      In jenem Moment war das so. Allerdings gab es bereits ein paar Jahre zuvor durch Johannes Randegger (der Nationalrat war vor Musfeld Genossenschaftspräsident; Red.) eine Anfrage - damals konnte ich nicht mithelfen, weil das Projekt St.-Jakob-Park mich zu sehr absorbierte.
      Welche Sportart mögen Sie persönlich eigentlich lieber, den Fussball oder das Eishockey?
      Ich muss zugeben, dass mir von Haus aus der Fussball näher steht. Nicht zuletzt durch meinen Vater (Felix Musfeld war von 1970 bis 1976 Präsident des FC Basel), aber auch weil ich früher selbst mit dem FCB zu tun hatte. Als Kind stand ich zwar schon noch auf dem

      Man muss sich Gedanken darüber machen, wie Synergien zwischen den zwei Stadien genutzt werden könnten.

      Eis und habe auch ab und zu Eishockey-spiele besucht. Später habe ich aber die Bindung zu dieser Sportart ein bisschen verloren. Bis ich schliesslich ins Eishallen-Projekt eingestiegen bin. Es gibt in dieser Stadt genügend Potenzial für anderes neben dem Fussball.
      Inwiefern sind Sie, ist Ihr Unternehmen in den Eishallen-Bau involviert?
      Meine Firma unterbreitete seinerzeit die kostengünstigste Offerte für den Aushub der Halle und erhielt folglich den Zuschlag für diese Arbeiten. Dass jetzt unsere Kräne in der Brüglinger Ebene stehen, liegt daran, dass die zuständigen Baufirmen diese bei uns gemietet haben. Ich persönlich bin als Präsident der Eishallen-Genossenschaft in den Bau involviert. Als solcher habe ich mitgeholfen, das Projekt anzupassen, damit die Sockelnutzung mit den verschiedenen Mieträumen zustande kam, welche die Finanzierung des Betriebs mit ermöglichen soll. Zudem führte ich auch die Gespräche mit den neuen Mietern und den Hallen-Partnern, vor allem mit Mercedes, Kronenbourg, Chicco d’Oro sowie Kriegel+Schaffner.
      Sie sind auch Verwaltungsratspräsident von Basel United - trotzdem ist es im Fall der Eishalle bislang nicht zur synergetisch sinnvollen Zusammenarbeit mit den Betreibern des St.-Jakob-Parks gekommen. Weshalb?
      Es ist so, dass es in dieser frühen Phase der Eishalle einfacher ist, wenn die Genossenschaft sich vorerst um den Betrieb der St.-Jakob-Arena kümmert. Man muss sich aber schon Gedanken darüber machen, wie Synergien zwischen den zwei Stadien genutzt werden könnten. Kommt hinzu, dass beim Thema Zusammenarbeit auch die St. Jakobshalle miteinbezogen werden sollte.
      In diesem Zusammenhang war in der Vergangenheit stets von der Konkurrenz-Situation gesprochen worden, die durch die neue Eishalle entstehe...
      Natürlich gibt es beispielsweise im Catering-Bereich Konkurrenz. Nicht nur für die St. Jakobshalle. Dort müssen Gespräche geführt und gute Lösungen gefunden werden. Wenn es um Veranstaltungen neben dem Eishockey und Eislauf geht, sehe ich da kein Problem: Die Eishalle ist deutlich kleiner als die St. Jakobshalle, wurde bewusst auch kleiner gebaut. Die gewählte Grösse der St.-Jakob-Arena stellt in der Schweiz eine Nische dar.
      Also muss nicht befürchtet werden, dass die Sportstätten einander gegenseitig das Wasser abgraben?
      Nein. Ich sehe das gesamte Areal in der Brüglinger Ebene vielmehr als Chance: Wenn wir beispielsweise im nächsten Sommer im St.-Jakob-Park eine Oper aufführen, braucht es auch Räume für die Schauspieler und die Crew, welche die beiden Hallen problemlos zur Verfügung stellen können. Oder während den Swiss Indoors: Da könnten sich die Spieler in der Eishalle einspielen. Ja, es könnte dort gar der zweite Court installiert werden. Und wenn die Eishockey-WM wieder einmal nach Basel kommt, ist klar, dass dann in der grösseren St. Jakobshalle gespielt und die Eishalle nur zum Trainieren benutzt wird.
      Was soll denn in der St.-Jakob-Arena künftig alles durchgeführt werden?
      Priorität besitzt ganz klar der EHC Basel, der in der Halle seine Heimspiele austrägt und dort trainiert. Das ist auch in den Statuten so festgehalten. Daneben sind wir am internationalen Eishockey interessiert: In den nächsten zwei Jahren wird das Vier-Nationen-Turnier «Skoda-Cup» (7. bis 9. Februar; Red.) in Basel ausgetragen, auf ein drittes Jahr besteht eine Option. Daneben soll der Eislauf seinen Platz haben: Schulklassen der umliegenden Gemeinden werden die Halle regelmässig benützen, hinzu kommt der öffentliche Eislauf. Denkbar wäre auch, dass die Show «Holiday on Ice» in die Halle geholt wird. Weiter sollen Eis-Discos und - dank der Abdeckung - Konzerte oder Versammlungen durchgeführt werden. Ausserdem bewerben wir uns für ein internationales Curling-Turnier.
      Und wie werden die Nebenräume im Sockel des Baus genutzt?
      Auf der einen Seite des Sockels wird die Geschäftsstelle des EHC Basel beheimatet sein. Dort hätte es noch Platz; möglicherweise wird der FC Concordia seine Geschäftsstelle in der Eishalle eröffnen. Auf der andern Seite hat

      Es ist klar, dass die St.-Jakob-Arena und der EHC Basel letztlich eine Schicksalsgemeinschaft bilden.

      sich die Uni Basel eingemietet, die dort ihr Sport-Institut einrichten wird. Und im Unterbau des Haupteingangs soll schliesslich eine deutsche Diskotheken-Kette eine Filiale eröffnen. Der Vertrag wäre unterschrieben, aber es fehlen noch die Bewilligungen von Gemeinde und Kanton.
      Wieso?
      Weil dort ursprünglich das geplante Fechtzentrum hätte entstehen sollen und die Eingabe entsprechend gemacht wurde. Die bestehende Zonenplan erlaubte zwar ein Fechtzentrum, aber keine Disco. Für deren Betrieb bedarf es nun einer Zonenanpassung, welche die Gemeinde Münchenstein und der Kanton Baselland bewilligen müssten.
      Was kostet der Hallen-Betrieb?
      Unser jährliches Budget beträgt inklusive Zinsendienst und Ammortisation 1,9 Millionen Franken.
      Keine Sorge, dass die Kosten höher sein werden als die Einnahmen?
      Es ist klar, dass wir - auch wenn wir dank verschiedenen Events und unseren Mietern Geld einnehmen - mit dem EHC Basel letztlich eine Schicksalsgemeinschaft bilden. Geht es dem Eishockey-Club gut, geht es auch uns gut - und umgekehrt. Natürlich wird es zu Beginn schwerer sein, auf die nötigen Einnahmen zu kommen. Aber ich bin überzeugt, dass dies funktioniert. Denn ich glaube, dass die Halle ein grosses Bedürfnis erfüllt, das schon seit langer Zeit besteht.

      Stephan Musfeld. «Die gewählte Grösse der St.-Jakob-Arena stellt in der Schweiz eine Nische dar.» Foto Dominik Plüss

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      Nutzung mit internationaler Ausstrahlung

      Die St.-Jakob-Arena wird sportlich in mehrfacher Hinsicht genutzt werden. So soll ein internationales Curling-Turnier nach Basel geholt werden. Als Sportstätte will man eine internationale Ausstrahlung erreichen, aber hinter der Fassade verbirgt sich noch viel mehr...

      Andy Strässle
      Zwar geniesst Eishockey in der neuen St.-Jakob-Arena Priorität. Im in Rekordzeit erstellten Oval sollen sich aber vielfältige Aktivitäten entfalten. Überhaupt mausert sich die Brüglinger Ebene mit den Sportanlagen St. Jakob, dem St.-Jakob-Park und der St. Jakobshalle immer mehr zum Sportzentrum. Es verwundert deswegen kaum, dass sich als einer der ersten Mieter im Sockelgeschoss der St.-Jakob-Arena das Sportinstitut der Universität Basel gemeldet hat. Das im Moment auf verschiedene Standorte verteilte Institut wird hier an einem Standort zusammengeführt. Neben dem EHC Basel, der seine Geschäftsstelle hier eröffnen wird, zieht ins Untergeschoss auf eine 1000 Quadratmeter grosse Fläche die MPC Discotheken und Tanzlokal GmbH. Hier fehlt im Moment noch der Segen der Gemeinde Münchenstein, die die Umnutzung bewilligen muss, da ursprünglich anstelle der Disco ein nationales Fechtzentrum geplant gewesen war.
      Im Zwischengeschoss der neuen Arena befinden sich die Zuschauerränge, die VIP-Lounge, die Technik und die Hallenaufsicht. Sportlich soll auf dem Eis ebenfalls einiges laufen. Denn neben Eishockey sollen noch Eiskunstlaufen, Eistanz, Synchronized Skating, Short Track und freies Eislaufen ihre Heimat in der St.-Jakob-Arena finden. Das Budget der Eishallen-Genossenschaft beträgt pro Jahr rund 1,9 Millionen Franken.
      In derSt.-Jakob-Arena wird es ebenfalls ein Restaurant haben, das dank der Lage am Rande eines Erholungsgebietes weiter zur Verankerung der Halle im Bewusstsein der Bevölkerung beiträgt.

      Das Sportinstitut der Uni kommt zum Sport. Hinter der Fassade verbirgt sich jene Mehrfachnutzung, die man auch vom St.-Jakob Park her kennt. Foto Siegert


      20 Jahre Eis von den IWB

      Oliver Degen
      «Nein, mit Eisanlagen hatten wir bisher noch nie etwas zu tun», sagt Peter Furrer, Planungsingenieur für Contractinganlagen bei den IWB und Projektleiter für die St.-Jakob-Arena . «Aber von der Physik her spielt es auch keine Rolle, ob Wärme oder Kälte produziert wird, denn in beiden Fällen bildet eine Wärmepumpe die Grundlage»

      Ein neues Geschäftsmodell
      Seit rund vier Jahren betreiben die IWB das so genannte «Contracting», das sowohl von privaten Hauseigentümern als auch von Unternehmen genutzt werden kann. Die Grundidee besteht darin, dass die IWB die Anschaffungskosten für eine Heizanlage übernehmen, diese betreiben, warten und versichern. Der Vertragspartner bezahlt einen vertraglich festgelegten Preis (der die Finanzierungskosten, eine Pauschale für Betrieb und Unterhalt sowie die Energie umfasst) und ist am Ende der Vertragsdauer - normalerweise 15 Jahre, im Fall der Eishalle 20 Jahre - Eigentümer der Anlage.

      Ein umfassendes Leistungspaket
      Bei der neuen Eishalle sind die IWB nicht nur für die Kälteanlage zuständig, sondern kümmern sich auch um die Beheizung der Anlage, um die Lüftungsanlagen sowie um die Kommunikationsinfrastruktur. Insgesamt haben die IWB rund 4,5 Millionen Franken in die neue Eishalle investiert, wobei der Löwenanteil mit drei Millionen Franken auf die Kälteanlage für das Eisfeld entfiel. «Damit handelt es sich eindeutig um das bisher grösste Contracting-Projekt der IWB», hält Martin Rodewald, Produktmanager «Powerbox», fest. Man habe der Genossenschaft schon Vorzugskonditionen eingeräumt, denn schliesslich wolle man als Basler Unternehmen auch etwas für Basel leisten.

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      Olten-Goalie Aebischer hat eine Wette laufen...
      Am 12. Oktober ist es endlich soweit: Der EHC Basel weiht seine neue Halle - die St.-Jakob-Arena - ein. Zugkräftiger Gegner an diesem geschichtsträchtigen Abend ist der EHC Olten. Für die Basler ist es die Gelegenheit zur gefürchteten Heimmannschaft zu werden.

      Lukas Müller
      Das Eröffnungsspiel in der St.-Jakob- Arena lässt den EHC Basel mit dem EHC Olten auf einen alten Bekannten treffen - allen voran auf Beat Aebischer, der früher bei Basel im Tor stand. In der Dreitannen-Stadt Olten, mit ihrer charakteristischen Holzbrücke und der grossen Eishockey-Vergangenheit - dort wirkt der Basler Eishockey-Export Beat Aebischer seit Jahren, dort ist er daheim. Fürs Interview bestellt er den BaZ-Berichterstatter ins Stammlokal des EHCO, ins «Astoria» an der Hübelistrasse. In dieser für ihre Pasta berühmten Beiz pflegen Oltens Hockey-Spieler über Mittag zu speisen.
      Beat Aebischer, Jahrgang 1967, ist der Teamsenior des EHC Olten: «Mehrere dieser Spieler könnten meine Söhne sein», schmunzelt er, und grinst zu seinen an den anderen Tischen sitzenden Teamgefährten hinüber. Doch dann wird er wieder ernst und lauscht den Interviewfragen.

      Stürmische Jahre in Basel
      Vor vielen Jahren startete Beat Aebischer seine Karriere als Eishockey-Schlussmann - beim EHC Kleinhüningen. Auf dem Eglisee wehrte er seine ersten Pucks ab, Raymond Walder und die Scheibler-Brüder waren seine Mitspieler. Vier Jahre blieb er als Junior und Aktiver beim EHC KLH, wie er damals hiess.
      Es folgten vier stürmische Jahre beim EHC Basel, je zwei in der 1. Liga und in der Nationalliga B. Mit dabei waren nebst vielen anderen die ehemaligen Kleinhüninger Cracks Raymond Walder und Claude Scheibler. Bei Fribourg-Gottéron erlebte der stets ruhig und überlegt auftretende Goalie in der Folge einen weiteren Höhenflug: Auf der legendären Patinoire durfte er manchen NLA-Match bestreiten - doch wieder rief Basel, und so kehrte er zum EHC Basel in die Nationalliga B zurück. Nach einer für die gesamte Mannschaft unglücklich verlaufenen Saison wurde der Abstieg in die 1. Liga Tatsache, doch Beat Aebischer fühlte sich nach wie vor fit für die zweithöchste Spielklasse. 1988 wechselte er deshalb zum EHC Olten - er blieb dort (abgesehen von einem einjährigen Gastspiel bei Arno Del Curtos SC Luzern) bis heute.

      Wechselhaftes Business
      14 Jahre, das ist eine lange Zeit, vor allem im wechselhaften Eishockey-Business. Was hat den Goalie dazu gebracht, so lange dem gleichen Verein die Treue zu halten? «Nun, es ist so, dass viele bekannte Torhüter wie zum Beispiel Renato Tosio und Reto Pavoni relativ lange bei ein und demselben Club gespielt haben. Dies ist auch bei mir so. In Olten gefällt es mir ausgezeichnet.» Aebischer hat in der Stadt mit dem berühmten Bahnhofbuffet seine zweite Ausbildung gemacht, war zwischendurch Eishockeyprofi und ist heute Personalassistent bei den Migros-Verteilbetrieben in Neuendorf. Dank einer 90-Prozent-Stelle, bleibt ihm neben dem täglichen Training noch ein bisschen Erholungszeit.
      Für den EHC Olten erwartet er einiges in der kommenden Saison: «Die Liga ist in diesem Jahr recht ausgeglichen. Mit unseren Ausländern Albert Malgin (ein Vorbereiter) und Martin Gendron (ein Skorer) wollen wir unter die ersten acht und möglichst ins erste Viertel der Tabelle vorstossen.» Beat Aebischer kümmert sich auch eifrig um den eigenen Nachwuchs. Seine beiden Buben Kenneth (er ist 12 Jahre alt und spielt bei Basels Eishockey-Nachwuchs, als Goalie notabene, Red.) und Luca (er spielt Fussball) verfolgen mit Interesse die Meisterschaftspartien des EHC Olten. Relativ wenig Zeit hat der Exil-Basler für seine Hobbies, für Kollegen und gemütliches Beisammensein. Privat liebt er die italienische Küche und ein Glas guten Rotweins.

      Wissen, wo die Schwächen liegen
      Welches sind denn die Stärken und Schwächen des Torhüters Beat Aebischer? «Meine Stärke liegt darin, dass ich weiss, wo meine Schwächen liegen - und an diesen Schwächen arbeite ich Tag für Tag», schmunzelt der Angesprochene. Im gleichen Atemzug fügt er hinzu: «Nur wenige andere Leute wissen, wo meine Schwächen liegen.» In den letzten fast 20 Jahren hat er die Entwicklung des Eishockeysports aktiv verfolgt. «Das Spiel ist schneller, athletischer geworden. Als Goalie musst du heute gut auf den Schlittschuhen sein und geschickt den Winkel verkürzen.» Als stärkste Gegenspieler bezeichnet Oltens Stammgoalie die gegnerischen Ausländer - und windet gleich dem kommenden Gegner EHC Basel ein kleines Kränzchen: «Stürmer Martin Bergeron und auch Verteidiger Stéphane Julien sind grosse Klasse.»
      Doch Klasse hin, Klasse her: Beat Aebischer will gegen Basel unbedingt gewinnen. «Ich habe mit dem Basler Geschäftsführer Jürg Gohl eine Wette laufen», lacht er. «Wenn Olten gewinnt oder Unentschieden spielt, zahlt er mir ein Nachtessen. Im Fall eines Siegs des EHC Basel ist es umgekehrt. Jürg kann sich schon jetzt das Restaurant aussuchen, in das er mich nach dem Match einladen will!»

      Langjähriger Olten-Keeper Beat Aebischer: «Ganz klar, wir streben in Basel den Sieg an». Foto zVg


      Andreas «Zesi» Zehnder denkt vorwärts...


      Von Lukas Müller
      Aufbruchstimmung herrscht in Basels Eishockeyszene: Die Mannschaft hat in der noch jungen Saison schon einige schöne Erfolge gefeiert, unter anderem mit Auswärtssiegen beim HC Ajoie und in Küsnacht bei den GCK Lions. Andreas «Zesi» Zehnder, ein absoluter Routinier, verstärkt die Basler Abwehr. Er dürfte zusammen mit den anderen Defensivleuten für alle Gegner ein schwer überwindbares Hindernis darstellen.
      Andreas Zehnder sitzt im Büro in der neuen St.-Jakob- Arena und blättert in einem alten Programmheft vom Spiel EHC Basel-SC Herisau vom 3. März 1985. Da spielte der 20-jährige Zehnder mit den Ostschweizern erstmals auf der «Kunschti» in Basel. Jetzt sitzt er da, blättert im Programmheft. Er erinnert sich auch an seine damaligen Gegenspieler: «Roland Gerber, Andreas Beutler, Blair Muller, Dave Sembinelli kenne ich alle vom Namen her. Bernie Johnston sowieso, Colin Muller auch, Raymond Walder, Jim Koleff - jaja...», ein feines Lächeln huscht über sein Gesicht. «Ich habe mir damals mit Bernie Johnston heisse Duelle geliefert.»
      Bei Frauenfeld und Herisau jagte Zesi als Junior dem Puck nach, anschliessend kamen zwei Jahre nochmals bei Herisau sowie ein Jahr bei Dübendorf, jeweils in der Nationalliga B. Vor allem bei Dübendorf lief es dem mit grossem Ehrgeiz ausgestatteten Zehnder hervorragend. «Ich bekam Angebote von verschiedenen NLA-Vereinen und sagte bei Kloten zu. Dort kam ich in den ersten Block: Bärtschi-Mongrain-Wäger (die BMW-Linie) spielten im Sturm, Rauch und ich in der Abwehr. Für mich als Junger war es natürlich sensationell, dass ich sofort mit diesen Könnern zusammenspielen durfte.» Nach drei Jahren Kloten und ersten Nationalmannschafts-Einsätzen (insgesamt absolvierte Zesi 48 Länderspiele, Red.) kam das Engagement beim ZSC. Im legendären Hallenstadion erlebte er seine grösste Zeit, dort avancierte er zur eigentlichen Eishockey-Legende.

      Treue Fans
      Der Abschied von der Halle und den treuen ZSC-Fans («Bis heute erhalte ich SMS bei jedem Sieg des EHC Basel») fiel ihm denn auch besonders schwer. Doch jetzt will Zehnder vorwärts denken: Im vergangenen Winter fanden erste Gespräche zwischen dem Basler Trainer Beat Lautenschlager und Zehnder statt. Basel bekundete grosses Interesse an «Zesi». Da dem EHC Chur das Geld ausging, konnte er nach Basel wechseln. «Im Sommer habe ich gespürt, dass mich der EHC Basel unbedingt will», sagt Zehnder. «Meine neuen Mitspieler haben mir bereits berichtet, dass die Basler Fans sehr begeisterungsfähig sind. Ich freue mich auf die neue St.-Jakob-Arena - und ich hoffe, dass wir möglichst viele Fans begeistern können.» A propos Fans: Zu seinen grössten Anhängern zählen nebst seiner Frau Esther die beiden Söhne Remo (7) und Dino (5). «Dino hat Interesse am Hockey. Er will schon lange ‹schlittschüenle› - und Remo will unbedingt nach Basel an einen Match kommen», lacht er. Man sieht: Die Familie ist ganz klar ein grosser Rückhalt für den im thurgauischen Matzingen domizilierten Basler Abwehrspieler. Wie wird es in dieser doch wegweisenden Saison für den EHC Basel laufen? «Wir müssen ins Mittelfeld kommen und die Playoffs erreichen», sagt Zehnder. «Eins ist wichtig: Wir müssen heimstark sein. Für gegnerische Mannschaften soll es hart sein in Basel.»

      Typische Siegermentalität
      Hat Zehnder, der derzeit zusammen mit dem 19-jährigen Marco Kindler in einem Block verteidigt, als bewährter Routinier einen besonderen Traum, den er noch umsetzen will? «Jawohl. Mein Hockey-Traum wäre es, mit Basel im Zürcher Hallenstadion einlaufen zu dürfen.» In Basel hat er einen Zweijahresvertrag unterschrieben: «Ich habe immer noch Freude am Sport - und egal, wer der Gegner ist, wir müssen immer daran glauben, dass wir gewinnen können.» Da schimmert sie wieder durch, die für Zehnder so typische Siegermentalität.

      Abwehrhaudegen Zesi Zehnder: «Für mich wäre es ein Traum, noch einmal mit dem EHC Basel im Zürcher Hallenstadion anzutreten.» Foto Dominik Plüss


      Das Fest vor dem Eröffnungsspiel

      Lukas Müller
      Bevor die Eishockey-Teams vom EHC Basel und vom EHC Olten aufeinanderprallen und sich gegenseitig den Puck abjagen, wird im neuen Betonoval der St.-Jakob- Arenaein kurzweiliges Eröffnungsprogramm geboten. Der Beginn dieses Spektakels ist um 17.45 Uhr vorgesehen. Noch ist es still und friedlich in der brandneuen St.-Jakob- Arena. Doch bald schon wird Leben in die Bude kommen. «Eine solche Eishalle wird nur einmal eingeweiht», berichtet Walo Niedermann, bestbekannter Organisator von allerlei baslerischen und fasnächtlichen Grossanlässen. «Wir werden die Halle denn auch entsprechend einweihen, mit einem kurzweiligen Eröffnungsprogramm.» Walo Niedermann, seinerzeit ein Habitué auf der alten Basler «Kunschti». Mit seiner aus einigen Hockey-Cracks bestehenden, gut gepolsterten Equipe hat er seinerzeit auch einmal das Turnier der Sportjournalisten gewonnen, wie er lächelnd sagt. Er war später auch für die Abschiedszeremonie aus dem alten St.-Jakob-Stadion und für den Basler Teil des Eröffnungsfests im neuen St.-Jakob-Park zuständig.
      Jetzt wurde er von den Verantwortlichen des EHC Basel für diese einmalige Eishallen-Eröffnungszeremonie ausgewählt. Gemeinsam mit Steffi Musfeld sowie Pio Parolini hat er in den vergangenen Wochen emsig geplant. Jetzt präsentiert er dem hiesigen Publikum ein Spektakel, bestehend aus flotten Live-Demonstrationen auf dem Eis und viel Musik. «Unser Grundgedanke war folgender», berichtet Walo Niedermann. «Wir haben eine regionale Eissporthalle, sagten wir uns. Also müssen an diesem Einweihungs- und Eröffnungsprogramm auch regionale Eissportler und Eissportlerinnen teilnehmen.» Mit viel Initiative wurde diese Idee in die Tat umgesetzt. 160 bis 200 aktive Teilnehmende werden den Zuschauern und Zuschauerinnen am «Tag X des Basler Eishockeys» auf den Rängen eine coole Nonstop-Show bieten. «Basle & Surroundings On Ice» sozusagen. Ob es sich nun um Eishockey oder Eiskunstlauf, um Curling, Eisstockschiessen oder Short Track handelt - vorgestellt werden die verschiedensten Sportarten, die allesamt auf kühlem Eis in Szene gehen. Walo Niedermann: «Auch der Nachwuchs wird eifrig im Einsatz sein. 60 bis 70 Buben und Mädchen zeigen mit spannenden Darbietungen, was es mit Eishockey auf sich hat - da werden alte ‹Kunschti› - Fans auf ihre Rechnung kommen. Und auch die Anhänger des Eiskunstlaufs werden bestens bedient.»
      Selbstverständlich darf auch die musikalische Note nicht fehlen. Die 20 Mann der «Swiss Mariners», welche kürzlich zusammen mit den «Ancient Mariners From Connecticut» in Riehens Sarasin-Park für Furore gesorgt haben, werden mit ihrer ebenso schwungvollen wie charakteristischen Trommel- und Pfeifer-Kunst nach amerikanischem Muster ebenso präsent sein wie die Basler Sängerin Nubya. Die Tochter eines nigerianischen Vaters und einer Schweizer Mutter, die auf die Musik von Edith Piaf und Miriam Makeba steht und Soulplatten von James Brown bis Stevie Wonder ihr eigen nennt, ist auf R&B und Soul spezialisiert. Bei ihrer Show in der St.-Jakob- Arenawird sie auch Titel aus ihrer aktuellen CD «My Wish» singen. «Unsere Produktion dauert eine Stunde. Um 19.15 Uhr werden Stéphane Julien, Martin Bergeron, Zesi Zehnder, Marco Graf & Co. einlaufen. Um 20 Uhr erfolgt die Puckeingabe. Dem EHC Basel wünsche ich jetzt schon alles Gute bei seinem Start in seiner neuen Heimat!» sagt Niedermann.

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      Die Linsen bald auf Spitzeneishockey richten
      Mit der neu erstellten St.-Jakob-Arena als Basis ist es der Führung des EHC Basel gelungen, das Budget für die erste Mannschaft markant zu erhöhen. Die Voraussetzungen scheinen sehr günstig, dass bereits in drei Jahren Schweizer Spitzeneishockey in der Halle zu sehen sein wird.

      Patrick Künzle
      Basel. Die Podeste über dem Eisfeld der neuen St.-Jakob-Arena machen es deutlich: Der Eishockeysport in Basel soll nach vierzig Jahren der Zweit-, Dritt- und Viertklassigkeit wieder ins nationale Blickfeld rücken. Auf den besagten Unterlagen werden künftig Fernsehkameras installiert. Beim EHC Basel hofft man, dass bereits das Eröffnungsspiel zum Objekt einiger Kameralinsen wird - des Events wegen.
      Die sportliche Gegenwart hingegen wird die Fernsehteams der nationalen Sender nicht nach Basel locken. Zwar vermag der EHC nach zwei Jahren am Tabellenende derzeit mehr Spiele zu gewinnen, als er verliert, doch Eishockey in der Nationalliga B findet abseits des grossen Interesses statt. Erst recht in Basel, wo der FCB die Sponsoren und Zuschauer mit internationalen Erfolgen anzieht. «Für Nationalliga-B-Sport gibt es hier keinen Platz», pflegte Michael Geiger, Präsident des EHC Basel, stets zu formulieren. Deshalb müsse der Weg nach oben angestrebt werden, dieser jedoch könne nur mit einer überdachten Spielstätte vollzogen werden. Nun hat sich Geigers Wunsch erfüllt: In zwei Wochen kann die St.-Jakob-Arena erstmals bespielt werden.
      Was eine neue Sportstätte auslösen kann, hat sich am Beispiel FCB schon gezeigt. Eine adäquate Infrastruktur ist in Städten mit grossem Freizeitangebot vielleicht die wichtigste Bedingung, um die Resonanz zu erhalten, die wirtschaftliche und dadurch sportliche Verbesserungen möglich macht. Wie bereits im Fussball, wo der St.-Jakob-Park (noch) die einzige moderne Spielstätte darstellt, ist Basel inzwischen sogar im Eishockey eine Art Pionierstadt. In Kloten und Lugano entstanden zwar neue Stadien, diese entsprechen jedoch nicht den heutigen Anforderungen; andere Projekte wie in Bern und Zürich kommen nicht richtig voran.

      Hallenbau als Glücksfall
      Der Hallenbau in Basel hat sich für den lokalen EHC bereits als Glücksfall erwiesen. Nachdem feststand, dass das Bauprojekt innert kurzer Zeit vollendet würde, taten sich dem EHC Basel plötzlich finanzielle Kanäle auf, von denen er zuvor nur hatte träumen können. Anonyme Investoren, welche die Aktienmehrheit der EHC Basel AG übernahmen, machten es möglich, dass inzwischen mehr als doppelt so viel Geld für die erste Mannschaft ausgegeben werden kann als in den zwei Jahren zuvor. Für die vor drei Wochen begonnene Spielzeit steht ein Budget von 3,2 Millionen Franken zur Verfügung - das grösste aller NLB-Clubs. Diese Aufstockung war notwendig für das weitere Fortbestehen des Clubs, denn gerade in Basel, wo nicht auf den eigenen Nachwuchs zurückgegriffen werden kann, kosten sportliche Fortschritte ganz einfach Geld. Die Richtung, die eingeschlagen werden soll, ist klar: Um der wenig zukunftsträchtigen Spielklasse zu entrinnen, muss der EHC Basel spätestens 2005 in die NLA aufsteigen. So will es die Clubführung, und so wollen es die Geldgeber.
      Der finanzielle Sprung nach vorne hat es schon möglich gemacht, Fachwissen neben dem Eis einzukaufen. Seit dem Frühjahr wirkt Paul-André Cadieux als Sportdirektor - ein erwiesener Kenner des Schweizer Eishockeys. Seine guten Beziehungen haben bereits mitgeholfen, das Team zu verstärken. So kam ein ehemaliger Nationalspieler wie Andreas Zehnder nach Basel oder der Kanadier Martin Bergeron, der sich schon ein Jahr zuvor auf der Wunschliste des Vereins befunden hatte, damals jedoch nicht zuletzt aus finanziellen Gründen nicht verpflichtet worden war.
      Sowohl die Clubverantwortlichen als auch die nationalen Entscheidungsträger im Eishockey-Sport sind davon überzeugt, dass es möglich ist, in Basel eine Euphorie entstehen zu lassen, wie sie letztmals vor rund vierzig Jahren zu verspüren war. Nationalliga-Präsident Franz A. Zölch sagt, der Nationalliga A fehle nur noch eine wirtschaftlich interessante Region, um das gesamte Land eishockeytechnisch zu erschliessen. Aus dem gleichen Grund hegt die SRG als Inhaberin der Fernsehrechte den Wunsch, Basel möge raschestmöglich ganz oben vertreten sein.

      Liga der Stadtclubs
      Der EHC Basel wäre auch unter einem anderen Gesichtspunkt ein typischer Standort für einen NLA-Club. Die höchste Spielklasse ist inzwischen die Liga der Stadtvereine: Sie stellen mit sieben Vertretern die Mehrheit. Spitzeneishockey findet nur noch in einem Bergdorf (Davos) statt, ansonsten ist es hauptsächlich in urbanen Zentren zuhause, wo es grosse Hallen möglich machen, einerseits viele Zuschauer anzuziehen, und andererseits ein Eishockeyspiel als Event zu vermarkten.
      Genau dies soll in Basel geschehen. Es ist nun an den Spielern um Trainer Beat Lautenschlager, dafür zu sorgen, dass sich die Linsen der Fernsehkameras in der St.-Jakob-Arena schon bald auf Schweizer Spitzeneishockey richten.

      Den Blick nach vorne gerichtet. Der EHC Basel möchte in drei Jahren in der Nationalliga A spielen. Foto Hans-Jürgen Siegert


      Kruegers Rückkehr zum Ausgangspunkt Basel
      Wenn vom 7. bis 9. Februar 2003 in der neuen St.-Jakob-Arena das Vier-Nationen-Turnier «Skoda-Cup» gespielt wird, dann ist dies für Ralph Krueger die Rückkehr zu jenem Ort, wo er 1998 während der A-Weltmeisterschaft seine ersten Erfolge als Schweizer Nationalcoach feierte.

      Oliver Gut
      Basel. Wenn Ralph Krueger Basel hört, dann hängt der sonst so aufs Vorwärtsschauen fixierte Eishockey-Lehrer mit den Gedanken ausnahmsweise in der Vergangenheit: «Was ich von Basel kenne? Natürlich erinnere ich mich an die WM-Spiele 1998, die wir mit der Schweizer Nationalmannschaft in der St. Jakobshalle bestritten», sagt er dann mit dem gewohnt enthusiastischen Unterton. Es sei dies damals der Ausgangspunkt für jene zunächst so erfolgreiche Reise gewesen, die der damals neue Nationaltrainer mit seiner Mannschaft in Angriff nahm, ehe es in den vergangenen 18 Monaten an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften zu Rückschlägen kam.
      Trotz der vergangenen Saison, die für das Nationalteam miserabel verlief, sieht Krueger der Zukunft optimistisch entgegen: Er wird in den bevorstehenden Monaten auf sämtliche potenziellen Nationalspieler zählen können, nachdem die Differenzen mit Vertretern des HC Davos (Reto von Arx, Michel Riesen, Lars Weibel oder auch Benjamin Winkler) geklärt wurden.
      In Kruegers Fahrplan für die Weltmeisterschaft 2003 in Finnland bildet das Vier-Nationen-Turnier, das erstmals seit drei Jahren wieder zur Austragung gelangt, die wichtigste Station. «In Basel haben wir die grosse Chance, den Schweizern wieder Freude an ihrer Nationalmannschaft zu vermitteln», ist sich der Deutsch-Kanadier bewusst, dass jene positiven Emotionen rund um seine Auswahl nach den gemessen an den Erwartungen enttäuschenden Resultaten der jüngeren Vergangenheit ein wenig verloren gegangen sind.
      Krueger will aber nicht nur Goodwill zurückgewinnen, sondern in der St.-Jakob-Arena auch als Botschafter des Eishockeys wirken: «Wir wollen in Basel eine neue Stadt beleben», kennt der

      «In Basel haben wir die Chance, den Schweizern wieder Freude an ihrer Nationalmannschaft zu vermitteln.»

      Nationalcoach die untergeordnete Rolle, die seine Sportart am Rheinknie spielt. Sollte ihm dies nicht auf Anhieb gelingen, wird der Trainer noch weitere Gelegenheit dazu erhalten: Die Hallen-Genossenschaft unterzeichnete mit dem Schweizerischen Eishockey-Verband einen Zweijahresvertrag zur Austragung des Turniers; auf ein drittes Jahr besteht eine Option.
      Obwohl Krueger das Vierländer-Turnier als wichtigsten Termin der Vorbereitung ausmacht, will er nach dem Basler Wochenende noch keine Personal-Entscheidungen in Bezug auf die WM treffen. «Das wird erst vor den Titelkämpfen geschehen.»
      Die Schweizer Gegner versprechen hochklassiges Eishockey in der St.-Jakob-Arena : Bereits zur Tradition sind die Vergleiche mit der Slowakei geworden, die sich lange in der Reichweite der Schweizer bewegte, ehe sie zuletzt einen gewaltigen Sprung nach vorne tat und dank NHL-Stars wie Peter Bondra oder Miroslav Satan im Frühjahr in Schweden Weltmeister wurde. Von jener Mannschaft werden zwar in Basel nur vereinzelt Spieler dabei sein. Zur Standortbestimmung indes wird der Kräftevergleich mit der Slowakei dennoch dienen.
      Gleiches gilt seit Jahren für Deutschland: An den vergangenen zwei Weltmeisterschaften war es stets die Mannschaft von Hans Zach, die Kruegers Team vor der Sonne stand. Dies soll sich in Zukunft wieder ändern.
      Als vierte Mannschaft wird eine kanadische Auswahl in der St.-Jakob-Arena zu begrüssen sein. Dabei dürfte es sich vor allem um Spieler aus der DEL und der Schweizer Nationalliga handeln, die wild zusammengewürfelt und dadurch entsprechend unberechenbar sind. Für Spektakel garantieren die Kanadier auf jeden Fall.

      Ralph Krueger kehrt zurück: Am Vier-Nationen-Turnier will die Nati vor der WM reüssieren. Foto Keystone


      Franz A. Zölch: «Ich bin sogar hocherfreut»

      Interview Patrick Künzle
      Nationalliga-Präsident Franz A. Zölch beurteilt im Interview die Perspektiven des Eishockey-Sports in Basel und die Bedeutung der neuen Eissporthalle.

      BaZ: Franz A. Zölch, freuen Sie sich, dass in Basel eine Eishalle bereit steht?
      Franz A. Zölch: Ich bin nicht nur erfreut, ich bin sogar hocherfreut, weil damit nach langen Zeiten, in denen die Nationalliga auf neue Infrastrukturen gewartet hat, endlich ein Projekt realisiert werden konnte.
      Viele Schweizer Eisstadien sind veraltet, einige neue Projekte kommen nicht richtig voran. Kann Basel als Beispiel dienen?
      Sicherlich, gerade weil zwischen Planung und Realisierung nur kurze Zeit verging. Die Nationalliga wünscht sich, dass nach Basel auch anderswo Hallenprojekte realisiert werden.
      Wie sehen Sie denn die Perspektiven des Nationalliga-Eishockeys in Basel?
      Wenn ich mir die Landkarte des Schweizer Eishockeys ansehe, fehlt eine Region, und das ist die Nordwestschweiz. In früheren Jahren hatte das Hockey dort einmal einen sehr hohen Stellenwert, jetzt, denke ich, ist zumindest der Trend positiv, dass es wieder an Bedeutung gewinnt.
      Wenn Sie von der Landkarte sprechen, dann meinen Sie die Nationalliga A. Noch spielt der EHC Basel aber eine Liga tiefer. Sehen Sie die Zukunft des Clubs denn in der höchsten Spielklasse?
      Wenn er die erforderlichen Bedingungen erfüllt, dann schon. Der Club muss sportliche Ambitionen haben, wirtschaftlich gesund sein, über eine gute Infrastruktur verfügen und in einem sportbegeisterten Umfeld zuhause sein.
      Und dies ist in Basel gegeben?
      Der Weg stimmt jedenfalls. Basel ist eine sportbegeisterte Stadt, in der es sicherlich neben dem FC Basel genügend Platz für Spitzeneishockey gibt. Ausserdem hat die EHC Basel AG, die für die erste Mannschaft zuständig ist, in den letzten zwei Jahren gewaltige Aufbauarbeit geleistet. Inzwischen ist sehr viel Fachkompetenz in diesem Club am Werk. Nun muss die Führung des EHC Basel einfach den eingeschlagenen Prozess konsequent weiterverfolgen, damit die sportliche und wirtschaftliche Hürde zur Nationalliga A überwunden werden kann.
      Nun gibt es einen Vorstoss des HC Lugano, der die Nationalliga A aufstocken möchte. Der EHC Basel wäre sicherlich Aufstiegskandidat Nummer eins...
      Das Arbeitspapier skizziert eine Idee, die in der Liga diskutiert wird. Doch ich gehe nicht davon aus, dass die Liga so schnell erweitert wird.
      Ihre Prognose: Wann spielt der EHC Basel in der Nationalliga A?
      Ein Nationalliga-Präsident soll nicht spekulieren, er soll sich mit Fakten beschäftigen. Wenn der Club plant, in wenigen Jahren in der Nationalliga A zu sein, dann scheint der Aufstieg zu jenem Zeitpunkt möglich zu sein. Ich gehe davon aus, dass sich der EHC Basel realistische Ziele setzt.

      Franz A. Zölch. «Auf der Landkarte des Schweizer Eishockeys fehlt die Nordwestschweiz.» Foto Reuters
      Tradition ist nicht die Anbetung von Asche, sondern das Weiterreichen von Feuer

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